Crowds
Crowds
| Einzelausstellungen | ||
|---|---|---|
| 2025 |
Digital Exhibition "CROWDS" INDIAN PHOTO FESTIVAL 2025 Hyderabad, Indien
20.11.2025
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04.01.2026
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| 2023 |
Mittendrin Köln 1986-1993, fotografiert von Wolfgang Zurborn Neumarkt, Köln, Deutschland
28.06.2023
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28.08.2023
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| 2022 |
Crowds Internationales Fotofest Kaiserslautern Kaiserslautern, Deutschland |
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| 2021 |
Crowds Urban Design Parcours, PhotoBookDummy Screening The PhotoBookMuseum, Köln, Deutschland |
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| Gruppenausstellungen | ||
|---|---|---|
| 2026 |
IPFA International Photo Festivals Association Award Group exhibition of 50 finalists Sala Golfes, Barcelona,
19.03.2026
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31.03.2026
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| 2025 |
Head On Photo Awards 2025 Exhibition of Exposure finalists Paddington Reservoir Gardens, Sydney,
08.11.2025
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30.11.2025
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| 2025 |
The Dog Show 50th Anniversary of Blue Sky Gallery, Portland Oregon Center for the Photographic Arts, Portland, Vereinigte Staaten
01.10.2025
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31.10.2025
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| 2025 |
talk / mówić / gadać city courtyard, Poznań,
09.12.2025
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24.12.2025
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Rezensionen
CROWDS
von Jaehyun Seok
Die Sonne scheint so heiß, dass sie in den Augen blendet. Selbst in Badeanzügen und ohne Scheu ihre Zuneigung zeigend, stört das hier niemanden. Vor der Bühne herrscht bereits eine ausgelassene Stimmung, begleitet von Jubelrufen. Von Mitte der 1970er bis Ende der 1990er Jahre war die Open-Air-Bühne unterhalb der Loreley-Klippen am Rheinufer in Deutschland ein Mekka für europäische Rockfans. Künstler aller Genres, von Hardrock über Heavy Metal bis hin zu Classic Rock, und Menschenmengen, die ihre Musik und Energie teilen wollten, strömten unterhalb der Klippen am Flussufer zusammen.
Im Sommer 1988 blickte der in Köln lebende Fotograf Wolfgang Sauerborn statt auf die Scheinwerfer der Bühne auf die im Sonnenlicht und Jubel versammelten Zuschauer. Er begab sich überall hin, wo sich Menschenmengen versammelten, sei es aus politischen, sportlichen, religiösen, touristischen oder unterhaltenden Gründen, und hielt auch bei Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Art die Faszination der Menschenmassen fest, die sich von einer „Flut von Reizen” mitreißen ließen. Auch an diesem Tag, der später Teil seiner Serie „CROWDS” wurde, standen weltbekannte Künstler auf der Bühne, doch sein Blick richtete sich auf das Publikum darunter. Die Menschen, die inmitten von Musik, Jubelrufen und Sonnenschein „eine sichtbare Landschaft“ bildeten, werden in seinen Fotos zu einer „sich selbst konsumierenden Landschaft“. Eine kollektive Bühne, auf der konsumierte Bilder und Erfahrungen durcheinandergewürfelt sind, wie in Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“.
COVID-19 hat dem Spektakel, das die Massen anzieht, vorübergehend ein Ende gesetzt. Ironischerweise hat die erzwungene Unterbrechung der lebhaften Populärkultur „CROWDS“ ins Leben gerufen. Während des Lockdowns schaute er sich die Negativfilme an, die er seit Jahrzehnten aufbewahrt hatte, und entdeckte vergessene Farbfotos, die die Konsum- und Freizeitlandschaft der 1980er und 1990er Jahre dokumentierten. Diese Fotos zeigen keine „entscheidenden Momente“ mit einer klaren Botschaft, sondern menschenzentrierte Porträts. Sie lassen sich daher nicht zu einer linearen Erzählung zusammenfassen, sondern koexistieren mit unterschiedlichen Bedeutungen und Kontexten und führen das Publikum in die Lücken und Überlagerungen zwischen ihnen. Der Fotograf fordert das Publikum auf, seine Vorstellungskraft zu nutzen. Musik und Jubel, die Hitze, die die Luft durchdringt, und die Energie, die sich gegenseitig anfeuert… Wenn man darüber nachdenkt, ist Musik sowohl im Deutschland der 1990er Jahre als auch im Korea des Jahres 2025 ein faszinierender Reiz, der die Herzen der Menschen wie Wellen zum Schwingen bringt. [Quelle: JoongAng Ilbo] https://www.joongang.co.kr/article/25359330
Wolfgang Zurborn - Meister der Lehre und Praxis des unvoreingenommenen Sehens
von Christoph Linzbach
Ambivalent, aber trotzdem präzise
Momentaufnahmen aus dem Alltag
von Helga Bittner
Die hohe Kunst der Augentäuschung
von Sylvia Staude
Menschenbilder – Bildermenschen
von Jan Thorn Prikker
Menschenmengen haben es dem Kölner Fotografen Wolfgang Zurborn angetan. Seine großformatigen Farbfotografien (80 x 100 cm) waren 1987 im Essener Folkwang-Museum, 1991 in Einzelausstellungen im Münchner Stadtmuseum und im Nürnberger Centrum Industriekultur zu sehen. Sie haben dem 37jährigen Fotografen einen guten Ruf in der zeitgenössischen deutschen Fotoszene eingetragen.
Wolfgang Zurborn hat einen ganz eigenständigen Fotostil entwickelt, der fotodokumentarische Aspekte mit einer ausgeprägt subjektiven Sehweise kombiniert. Seine Farbaufnahmen sind randvoll mit Gegenwart beladen. Sie bersten vor Buntheit, sind mit Gesten exaltierter Vitalität und Aktion geradezu überfüllt.- Menschen mitten aus Menschenmengen heraus gesehen. Karneval, Straßenfeste, die künstlichen Welten von Freizeitparks, Open-Air-Festivals oder Sportplätze bieten die Anlässe bei denen sich der Fotograf mit seiner Kamera mitten unter die Menschen begibt.
Stilistisch sind die Aufnahmen von Wolfgang Zurborn durch die ungewöhnliche Verwendung des Weitwinkelobjektives aus naher Distanz erkennbar. Daß er seine Fotografien auch bei Tageslicht zumeist blitzt, verleiht ihnen eine hyperreale Künstlichkeit. Das Blitzlicht löst die tiefenräumliche Perspektive zugunsten einer überscharf konturierten Flächigkeit auf. Es zieht den Bildvordergrund und Bildhintergrund unwirklich zusammen. Plötzlich erscheint die Wirklichkeit wie eine Collage nicht zueinanderpassender Zufälligkeiten.
Obwohl, die Menschen auf diesen Bildern nie allein auftauchen und auch fast immer aus nächster Nähe fotografiert werden, scheint nie jemand den Fotografen entdeckt zu haben. Sie haben so mit ihrer Selbstbehauptung im Dschungel aus Gesten und Aktion zu kämpfen, daß ihnen keine Zeit bleibt aufmerksam zu registrieren, was mit ihnen geschieht. Man meint geradezu die hysterischen Geräuschkulissen noch hören zu können, die über vielen der eingefangenen Szenen gelegen haben müssen. Vielleicht erhalten die Szenen dieses absurden Theaters auch deshalb ihren surrealen Effekt, weil ihrem eingefrorenen hypermotorischen Treiben in Fotoform jeglicher Ton fehlt.
Ein starkes Element durch das diese Farbfotografien wirken, ist ihre synthetische Farbigkeit. Es ist eine Art kollektives, farbiges Feiertagsoutfit, ein alles beherrschender Freizeitlook, der noch den unförmigsten Körper in Kleider zwängt mit denen Athleten Siegerpodeste besteigen könnten. In den Kulissen dieses Endlos-Theaters blättert nirgends der Lack ab. Eine bunte Fröhlichkeit uniformiert die Menschen und zeigt sie zugleich eingetaucht in ein Meer aus Fremdheit. Man kann sich nur wundern, wieviel Distanz diese Fotos im engen Rahmen ihrer Bildausschnitte unterzubringen wissen.
Wolfgang Zurborns Fotografien tendieren trotz dokumentarischer Züge zur Collage. Ihr Formchaos und Farbreichtum neigt dazu, sich zu verselbständigen. Da wundert es gar nicht, daß der Fotograf in seinen neueren Arbeiten streifenförmige Bildsäulen aus mehreren aneinander gefügten Aufnahmen zusammengestellt hat. Sie arbeiten mit der Tendenz zum Chaotischen und steuern ihm durch Form- und Farbkomposition entgegen. Das Dokumentarische ist nur noch als Rest bei genauem Hinsehen erkennbar. In diesen neuen Fotoarbeiten ist der Übergang von einer subjektiv-dokumentarischen Fotografie zur freien künstlerischen Fotografie endgültig vollzogen.